Müssen wir dafür nach Dänemark? Nö.

Mein-Hygge-Pilates“

Kürzlich habe ich in der Aachener Zeitung einen Artikel von Sirit Coeppicus über das dänische Phänomen „Hygge“ gelesen, das derzeit in aller Munde ist. Der dänische Glücksforscher Meik Wiking vom internationalen Glücksforschungsinstitut Kopenhagen (doch, so etwas gibt es tatsächlich!) definiert das neue Lifestyle-Empfinden demnach so:

Hygge ist die Kunst, eine schöne Atmosphäre zu kreieren. Das alltägliche Streben nach Glück.

Und das haben die Dänen scheinbar richtig gut drauf. Laut Meik Wiking ist „Hygge“ dabei die Mischung aus Lebensbefriedigung, alltäglichem Gefühl und der individuellen Bedeutung des Lebens. Dazu kommt noch die soziale Komponente, das Zusammensein mit anderen Menschen ist ebenfalls wichtig und gehört zu dem typischen „Hygge-Gefühl“ unbedingt dazu. Das Wort beschreibt aber nicht nur ein gemütliches, behagliches und beglückendes Lebensgefühl, nein, es eignet sich auch zur Beschreibung von geliebten Dingen wie etwa „Hyggebukser“ (dänisch für Lieblingshose), „Hyggesnak“ (gemütliche Unterhaltung ohne Kontroversen), Orten und Personen (Lieblingsonkel wäre dann „Hyggeonkel“).

Da ich mein Studium in Hamburg absolviert habe und viele, viele schöne Urlaube bei den dänischen Nachbarn verbringen durfte, kenne ich diese dänisch-entspannte Atmosphäre aus eigener Erfahrung bestens und habe schon vor vielen Jahren gewusst, wie sich „Hygge“ anfühlt, lange bevor ich das Wort zum ersten Mal gehört habe. Ein Dänemarkaufenthalt war schon immer verbunden mit dem Gefühl von etwas heilerer Welt unter tiefblauem Sommerstrahlehimmel, betupft mit Wattewölkchen oder von Geborgenheit in heimeligen Holzhäusern bei grauneblig diesigem Winterwetter, bei dem man in kuscheliger Zufriedenheit zur Ruhe kommen konnte. Dieser tiefe innere Frieden, der sich schon kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze einstellte und der mir half, mich nach der Hektik des Großstadtalltags wieder auf das Wesentliche zu besinnen, hatte viel mit erlebter Gemeinsamkeit unter Freunden zu tun.

Diese herrlichen Auszeiten schmeckten je nach Jahreszeit entweder nach Käsekuchen mit Blaubeeren, roter Grütze mit Vanillesoße, nach Softeis, Lakritz und Pfefferminzbonbons, nach gegrilltem Fisch mit Salta und Bratkartoffeln sommerabends am Strand oder auch nach Zimtschnecken, Irish Coffee mit viel Sahne oder Glühwein, deftigem Eintopf und duftendem frischen Brot mit Butter und Käse im Winter.

Einfach „Hygge“ würden wir wohl heute dazu sagen.

Dieses so besondere Wohlgefühl kenne ich allerdings heute, Jahrzehnte später, glücklicherweise auch aus meinem derzeitigen Stadtleben in Aachen fernab von Meer und Dünen – sowohl in meinem privaten Umfeld zuhause als auch in meiner Freizeit. An dieser Stelle muss ich allerdings etwas einschieben. Ich finde nämlich, dass der Glücksforscher vergessen hat zu erwähnen, dass „Hygge“ auch ganz viel mit Bewegung zu tun hat, mit diesem gewissen Wohlgefühl im eigenen Körper nach genussvoll-moderatem, durchaus forderndem aber niemals überforderndem Training. Dabei ist es ganz egal, ob man nun wandert, mit dem Rad fährt, joggen oder walken geht, Fußball oder Golf spielt, schwimmt, tanzt oder Gymnastik macht. Worauf es meiner Meinung nach ganz einfach ankommt, ist, dass die sportliche Beschäftigung die Seele berührt und bewegt und den Körper erfreut und fordert. Mein Seelchen hat sich nun schon immer am meisten über Tanz und Gymnastik gefreut, in den letzten Jahren in besonderem Maße über Pilates.

Pilates hat Kathrins Welt auf den Kopf gestellt 🙂

Mein Körper hat diese Art der Gymnastik in den letzten Jahren regelrecht lieben gelernt, wenn er auch anfänglich mit deutlich zickigen Antworten auf die ungewohnte Art des durchaus anspruchsvollen Ganzkörpertrainings reagiert hat. Wir zwei haben ja schon ein paar gelebt-„bewegte“ Jahrzehnte hinter uns und ich bin nicht immer nett zu ihm gewesen, zu meinem Körper. Mal habe ich ihn überfordert, dann ignoriert oder zu viel zu langem Sitzen gezwungen und das hat er mir heimgezahlt in den ersten Einheiten Pilates. Steife Brustwirbelsäule, Muskel-ungleichgewicht durch einseitiges Training, Verspannungen hier und Muskelkater in der Bauchmuskulatur dort.

Erst mit regelmäßigem Training ist mein Körper gnädig und zufrieden geworden und nun habe ich wirklich das Gefühl, wir sind wieder eine Einheit geworden, mein „altes Haus und ich“.

Jetzt macht es mir noch mehr Spaß zu laufen, mit den Hunden zu spielen oder im Garten zu buddeln. Aber am allerschönsten ist es noch immer zu tanzen oder in diesem kleinen, feinen „Hygge-Ableger“ in der Lothringerstraße 106, mitten im Frankenberger Viertel in Aachen, Pilatesstunden zu nehmen oder gar geben zu dürfen. An diesem Ort kommt wirklich alles zusammen, was „Hygge“ ausmacht: Täglich kommen hier supernette Menschen zusammen, um gemeinsam Pilates zu machen.

Die Atmosphäre ist einfach traumschön, gemütlich, völlig entspannt und ohne jegliche Kontroversen.

Und, wenn man sich „Hygge-satt“ geturnt hat, kehrt man mit wohligem Körpergefühl und prall aufgetanktem Seelchen wieder nach Hause zurück. Einfach schön!

Es kommt mir immer so vor, als strahle dieses körperliche „Hyggegefühl“ noch lange nach dem Pilates Training weiter, als höre es nicht auf, wenn die Stunde vorüber ist. Ähnlich jener Kreise, die ein Steinchen zieht, wenn man es ins Wasser wirft, durchflutet es erst einmal mich selbst, bringt mich zurück in meine Mitte, fließt durch meinen Körper und lässt mich dynamischer, ja merkwürdigerweise deutlich jünger fühlen als ich tatsächlich bin und schwappt in sanften Wellen weiter, fließt durch das gesamte Studio, wird reflektiert von der Gruppe von Menschen um mich herum, die sich ziemlich ähnlich zu fühlen scheinen, und begleitet mich schließlich nach Hause, bereichert mein persönliches Umfeld, meinen Mann und die Hunde und lässt mich zum Abschluss des Tages auch noch herrlich schlummern. Ausgeglichen und sehr zufrieden – „Hygge“ eben. Müssen wir dafür nach Dänemark?

Nö.

In Aachen zumindest genügt eine Fahrt ins Frankenberger Viertel. Also rein in die „Hyggebukser“ und ab zu „Hygge-Caro“.

Vor dem Training einen kleinen „Hyggesnak“ halten, leckeren „Hyggetee“ trinken und dann ab in genau das Lebensgefühl, das das MeinPilates Studio vermittelt. „Hygge“ geht eben auch ganz ohne Dänemark, für mich aber nicht (mehr) ohne Pilates (und schon gar nicht ohne Caro und „Mein-Hygge-Pilates“).

Carolin wurde fotografiert von Christine Bongartz.

Text von Kathrin Reitz:

http://www.kathrin-reitz-schreibt.de/kathrin-reitz

Bilder von Carolin Dyckhoff:

/https://www.instagram.com/finesbilderaachen

…und von Christine Bongartz:

https://www.instagram.com/fotografiene

Veröffentlicht von

Carolin

Ich bin Carolin Dyckhoff (Spitzname Fine), 33 Jahre alt, seit 10 Jahren zertifizierte Pilatestrainerin (und derzeit nicht aktive Logopädin). Seit dem 11.11.2011 bin ich glückliche Erfinderin und Inhaberin des MeinPilates Studios in Aachen. In meiner Freizeit mache ich manchmal Fotos, die du unter "FinesBilderAachen" und "MeinPilatesAachen" bei Instagram finden kannst.

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